Trauorte
87 ungewöhnliche Trauorte, von der Zeche bis zum Flugzeug
Wo Standesämter außerhalb von Rathaus und Schloss trauen, was das kostet und wie viele Gäste hineinpassen
Wer nicht im Trauzimmer heiraten will, sucht sonst Stadt für Stadt durch die Traukalender. Welche Kommune eine Zeche, ein Fahrgastschiff oder ein Stadion gewidmet hat, veröffentlicht jede für sich und in eigener Form. Zusammengeführt gab es diese Orte bisher nicht.
- Gästezahl
- wo die Kommune sie veröffentlicht, mit ihrem Wortlaut als Beleg
- Zuschlag
- was der Betreiber neben der Amtsgebühr verlangt
- Zuständiges Standesamt
- das an diesem Ort traut, mit Anschrift und Bezirk
- Fundstelle
- der Traukalender der Kommune, aus dem die Angabe stammt
Ein Trauort ist ein Ort, an dem eine Standesbeamtin oder ein Standesbeamter eine Ehe rechtswirksam schließen darf. Welche Orte das sind, bestimmt die Kommune. 87 dieser Orte sind von ungewöhnlicher Art. Sie liegen in 63 Kommunen und 12 Bundesländern und verteilen sich auf 16 Arten, von der Zeche über das Fahrgastschiff und das Fußballstadion bis zum abgestellten Flugzeug.
- 87
- Ungewöhnliche Trauorte
- 63
- Kommunen
- 12
- Bundesländer
- 16
- Arten von Orten
Die Gemeinde bestimmt den Trauort, nicht der Betreiber
Ein Ort wird nicht dadurch zum Trauort, dass dort Hochzeiten gefeiert werden. Er wird es dadurch, dass die Gemeinde ihn dafür bestimmt und in den Traukalender ihres Standesamts aufnimmt. Diese Bestimmung heißt Widmung. Ein Fahrgastschiff ist also nicht deshalb Trauort, weil die Reederei Trauungen anbietet, sondern weil die Kommune es gewidmet hat.
Für den Betreiber lohnt sich das. Ein Fußballverein, eine Reederei oder ein Zoo bekommt mit der Widmung Termine, die sonst niemand bucht, und häufig die Feier danach dazu. Von diesen 87 Orten gehören die wenigsten der Kommune selbst. Die Standesbeamtin fährt hin, das Haus gehört jemand anderem.
Wer an einem solchen Ort heiratet, bezahlt deshalb zweimal. Die Gebühr für die Eheschließung außerhalb der Amtsräume geht an die Kommune und steht im Landesrecht, in 14 der 16 Bundesländer mit einem eigenen Satz. Das Entgelt für den Raum geht an den Betreiber und steht in keiner Gebührenordnung. Zu 32 dieser Orte ist der Traukalender der Kommune erhoben, 14 davon nennen einen Zusatzbetrag neben der Anmeldegebühr. Er reicht von 160 Euro für das Regenwaldhaus in Osnabrück bis 1.200 Euro für das Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Oberhausen.
16 Arten von Trauorten, von der Zeche bis zum Sternenzelt
- 7 ZechenWitten begründet die Widmung mit dem Arbeitsethos der Bergleute
- 3 Stollen und BergwerkeEin Stollen macht aus der Zeremonie einen Weg nach unten
- 2 HöhlenIn der Höhle ist es immer neun Grad und immer still
- 18 Schiffe und FährenDie meisten dieser Schiffe fahren nur zwischen Ostern und Oktober
- 4 LeuchttürmeIm Holtenauer Leuchtturm in Kiel passen zwölf Personen
- 2 StrandAm Strand entscheidet das Wetter mit
- 7 Flugzeuge und HangarsDie Maschinen stehen still, geflogen wird bei der Trauung nicht
- 8 FußballstadienBraunschweig traut im Innenraum, Aachen auf dem Spielfeld
- 5 Zoos und TierparksIn Magdeburg richtet der Zoo die Trauung mit dem Standesamt aus
- 3 Wald und GewächshausIm Regenwaldhaus ist es das ganze Jahr warm und feucht
- 5 MühlenIn Melle erhebt der Mühlenverein 200 Euro, die Stadt 90 Euro
- 5 TürmeDer Hochzeitsturm in Darmstadt wurde als Hochzeitsgeschenk gebaut
- 6 Züge und BahnenDie Nerobergbahn fasst 20 Personen und kostet 458,15 Euro Zuschlag
- 4 PlanetarienIn Kassel gehört eine Sternenvorführung zur Zeremonie
- 5 Theater und BibliothekenEin Zuschauerraum ist für gesprochenes Wort gebaut
- 3 Gefängnis, Hexenhaus, SternenzeltDie Verbandsgemeinde Wallmerod traut in ihrem ehemaligen Gefängnis
Auf hoher See, im Ballon und im freien Flug traut in Deutschland niemand
Unter den 403 erhobenen Trauorten kommt kein Ort vor, der sich während der Trauung fortbewegt und dabei seinen Bezirk verlässt, also weder ein Ballon noch ein Flugzeug im Flug noch ein Schiff auf offener See.
Der Grund liegt in der Zuständigkeit. Ein Standesamt ist für ein festes Gebiet zuständig, den Standesamtsbezirk, und eine Gemeinde kann nur Orte in diesem Gebiet widmen. Was über die Grenze hinausfährt, lässt sich nicht widmen. Die erhobenen Schiffe fahren deshalb auf Binnenseen, Flüssen und in der Förde, das Flugzeug in Rhinow und der Hangar in Mönchengladbach stehen am Boden. Der Kapitän, der auf hoher See traut, kommt im deutschen Personenstandsrecht nicht vor.
Ein Tennisplatz, eine Kletterhalle und ein Schwimmbad kommen in keinem erhobenen Traukalender vor. Sport als Trauort heißt in Deutschland Fußballstadion, dazu ein einzelner Golfclub in Versmold.
8 Fragen zu ungewöhnlichen Trauorten
- Was ist ein ungewöhnlicher Trauort?
- Ein ungewöhnlicher Trauort ist ein von der Gemeinde gewidmeter Ort der Eheschließung, dessen Art dafür untypisch ist: ein Bergwerk, ein Schiff, ein Stadion, ein abgestelltes Flugzeug, ein Zoo, eine Mühle, ein Planetarium. Nicht gemeint sind Schlösser, Burgen und Museen, denn die sind unter den Trauorten die Regel.
- Wer bestimmt, ob ein Zoo, ein Stadion oder ein Schiff Trauort wird?
- Ob ein Zoo, ein Stadion oder ein Schiff Trauort wird, bestimmt die Gemeinde. Sie widmet den Ort und nimmt ihn in den Traukalender ihres Standesamts auf. Der Betreiber kann den Ort anbieten und bewerben, entscheiden kann er es nicht. Ein Ort wird nicht dadurch zum Trauort, dass dort Hochzeiten gefeiert werden.
- Was kostet eine standesamtliche Trauung an einem ungewöhnlichen Trauort?
- Eine Trauung an einem ungewöhnlichen Trauort kostet zweimal. Die Gebühr für die Eheschließung außerhalb der Amtsräume geht an die Kommune und steht im Landesrecht, in 14 der 16 Bundesländer mit einem eigenen Satz. Dazu kommt das Entgelt des Betreibers, das in keiner Gebührenordnung steht. 14 der 32 Orte mit erhobenem Traukalender nennen dafür einen Zusatzbetrag zwischen 160 Euro und 1.200 Euro.
- Kann man in Deutschland auf hoher See heiraten?
- Auf hoher See kann in Deutschland niemand standesamtlich heiraten. Ein Standesamt ist nur für sein eigenes Gebiet zuständig, den Standesamtsbezirk, und eine Gemeinde kann nur Orte in diesem Gebiet zum Trauort bestimmen. Ein Kapitän darf nach deutschem Recht keine Ehe schließen. Alle gewidmeten Schiffe fahren auf Binnengewässern.
- Muss man dort wohnen, wo man an einem ungewöhnlichen Trauort heiraten will?
- Für die Trauung an einem ungewöhnlichen Trauort ist kein Wohnsitz in der betreffenden Stadt nötig. Angemeldet wird die Eheschließung beim Standesamt am Wohnsitz, getraut werden darf an jedem Standesamt in Deutschland. Der Trauort ist damit eine freie Wahl und keine Zuteilung.
- Worin unterscheidet sich ein Trauort von einer Hochzeitslocation?
- Ein Trauort ist der Ort, an dem die Ehe rechtswirksam geschlossen wird, und die Gemeinde bestimmt, welche Orte das sein dürfen. Eine Hochzeitslocation ist der Raum, in dem danach gefeiert wird, und sie hat mit dem Standesamt nichts zu tun. Manche Orte sind beides, dann fallen zwei getrennte Rechnungen an.
- Gibt es in Deutschland einen Tennisplatz oder eine Kletterhalle als Trauort?
- Einen Tennisplatz oder eine Kletterhalle als Trauort gibt es in keinem der 403 erhobenen Traukalender. Sport als Trauort heißt in Deutschland Fußballstadion, davon sind acht gewidmet, dazu ein einzelner Golfclub in Versmold. Ein Schwimmbad oder eine Sauna kommt ebenfalls nicht vor.
- Welcher ungewöhnliche Trauort in Deutschland hat die meisten Plätze?
- Der Lokschuppen in Bottrop hat mit 160 Plätzen die höchste erhobene Gästezahl unter den ungewöhnlichen Trauorten. Am anderen Ende steht das Schiff Klabautermann in Dorsten mit elf Plätzen. Dazwischen liegen der Kuppelsaal des Planetariums Bochum mit 120 und der Hugo-Junkers-Hangar in Mönchengladbach mit 80.
Trauort suchen, Kosten rechnen, Zuständigkeit klären
Gebühren ändern sich, häufig zum Jahreswechsel, und die Kommune kann im Einzelfall abweichen. Der hier genannte Betrag ist der zum Datenstand veröffentlichte. Er ist keine Zusage.
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Ungewöhnliche Trauorte in Deutschland. heiratsorte.de, Datenstand 03.09.2026. https://heiratsorte.de/trauort/ungewoehnlich/